Neues Konzept-Medikament jagt Prostatakrebs im Spätstadium

Prostatakrebs

Eine neue Medikamentenklasse zielt erfolgreich auf behandlungsresistente Prostatakarzinome ab und verlängert das Leben von Patienten. Die Behandlung liefert Beta-Strahlung direkt an Tumorzellen, wird von den Patienten gut vertragen und hält sie länger am Leben als die Standardbehandlung, stellte eine Phase-3-Studie fest, die heute auf dem Kongress der European Association of Urology, EAU21, vorgestellt wird.

Trotz der Fortschritte in der Medizin in den letzten Jahren bleibt das metastasierte kastrationsresistente Prostatakarzinom unbehandelbar und tödlich. Die neue Behandlung, bekannt als Lu-PSMA-617, verfolgt einen neuen Ansatz und zielt auf ein Molekül namens PSMA ab, von dem bekannt ist, dass es auf den Oberflächen der Tumorzellen vermehrt wird und diese und ihre umgebende Mikroumgebung zerstört.

Professor Johann de Bono, Professor für Experimentelle Krebsmedizin am Institute of Cancer Research, London, und beratender medizinischer Onkologe am Royal Marsden NHS Foundation Trust, und Professor Ken Herrmann, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Essen, Deutschland, und ein internationales Forscherteam untersuchte, ob Lu-PSMA-617 wirksamer war als die Standardbehandlung und rekrutierte zwischen Juni 831 und Oktober 2018 2019 Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip der Behandlung plus Standard zugeteilt Pflege oder Standardpflege allein.

Sie berichten, dass die Behandlung das Überleben der Patienten im Vergleich zur Standardbehandlung um durchschnittlich vier Monate signifikant verbesserte. Die mediane Überlebenszeit betrug 15.3 für die Behandlungsgruppe und 11.3 Monate für diejenigen, die die Standardversorgung erhielten. Auch das progressionsfreie Überleben bzw. die Zeit, bis sich der Tumor eines Patienten verschlimmerte, war unter der Behandlung länger: ein Median von 8.7 Monaten im Vergleich zu 3.4 Monaten bei Patienten mit Standardversorgung.

Die Studie verglich auch Nebenwirkungen und stellte fest, dass die gesundheitsbezogene Lebensqualität nicht negativ beeinflusst wurde, und das Team kommt zu dem Schluss, dass es sich um ein wirksames und sicheres Medikament handelt, das den Behandlungsstandard für Patienten mit diesem fortgeschrittenen Prostatakrebs verbessern kann.

Professor Ken Herrmann sagt: „Das ist ein völlig neues Therapiekonzept; ein Präzisionsmedikament, das Strahlung direkt auf einen Tumor mit hoher Häufigkeit abgibt. Die Behandlung wurde von den Patienten gut vertragen und sie hatten ein durchschnittlich vier Monate längeres Überleben bei guter Lebensqualität. Lu-PSMA-617 kann das Leben vieler Männer mit fortgeschrittenem Prostatakrebs und ihrer Familien verbessern.“

Professor Johann de Bono sagt: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass dieses hochwirksame radioaktive Medikament Krebszellen präzise bestrahlen und zerstören kann, wodurch das Leben der Patienten verlängert wird. Ich hoffe, dass Männer, deren Tumoren hohe PSMA-Werte aufweisen, bald von dieser hochinnovativen Behandlung profitieren können. Derzeit wird die Behandlung vom National Institute for Health and Care Excellence (NICE) für den Einsatz im NHS in England und Wales bewertet.“

„Der direkte Einsatz des PSMA-Moleküls zur direkten Ansprache von Prostatakrebszellen ist der Beginn einer neuen Ära der Präzisionsmedizin in der urologischen Diagnostik und Therapie“, sagt Professor Peter Albers, Leiter der Klinik für Urologie der Universität Düsseldorf und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Büro der EAU. „LU-PSMA-617 wurde im sogenannten Endstadium der Erkrankung getestet und zeigte immer noch Überlegenheit, was den Weg für Studien zur Behandlung von Patienten in früheren Stadien ebnet. Ähnliche Erfolge haben wir in der Diagnostik erzielt, indem wir dieses Molekül verwendet haben, um die Art und Weise zu verbessern, wie wir Tumore darstellen. Dieser gezielte Ansatz wird unsere Herangehensweise an die Behandlung von Männern mit Prostatakrebs in Zukunft revolutionieren.“